Biographien

Peter Carl Callmann, (1879 – 1941 oder 1942)

Der Jurist stammte aus einer seit Jahrhunderten in Darmstadt ansässigen jüdischen Familie. Er war Landgerichtsrat am Darmstädter Landgericht. 1935 wurde er aus dem Justizdienst entlassen. Im Winter 1940/41 wurde er mit anderen „arbeitsfähigen“ Juden zu Straßenarbeiten eingesetzt. 1941 wurde er in einem Korruptionsprozess gegen den Einsatzleiter, einen SA-Mann, der sich hatte bestechen lassen, mit weiteren Angehörigen des Arbeitskommandos angeklagt, als einziger jedoch freigesprochen. Die Mitangeklagten des Schauprozesses kamen in verschiedenen Konzentrationslagern ums Leben. Im Herbst 1941 wurde Dr. Callmann wegen eines ihm vom Leiter des „Juden-Referats“ der Gestapo, Bruno Böhm untergeschobenen „Feind-Flugblattes“ verhaftet, deportiert und vermutlich im Minsker Ghetto ermordet.

Familie Fuchs

Friederike Fuchs geb. Reis (1877-1942) wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und kam dort (oder in Auschwitz) ums Leben. Sie war mit dem Kaufmann Bernhard Fuchs verheiratet, der 1941 verstorben ist. Das Ehepaar hatte in der Lauteschlägerstraße 5 gewohnt und musste auf Gestapo-Anweisung zunächst von der Parterre-Wohnung in den 2. Stock umziehen. Nach dem Tod ihres Mannes zog Friederike Fuchs zu ihrer Tochter Johanna Fleischhacker in die Bleichstraße 32. Im Rahmen einer „Erfassungsaktion“ wurde sie in das jüdische Altersheim in der Eschollbrückerstraße 4 ½ gebracht und von dort mit dem Transport vom 27. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie wurde in Auschwitz ermordet.

Die Tochter Johanna Fleischhacker geb. Fuchs (1911-1942) war mit dem Metzgermeister Gustav Fleischhacker (1907-1942) verheiratet. Sie wurden gemeinsam mit ihrem sechsjährigen Sohn mit dem Transport vom 20. März 1942 nach Piaski/Lublin deportiert und wenig später ermordet.

Bertha Keller geb. Fuchs (?-1942), ebenfalls Tochter von Friederike Fuchs, war zum Katholizismus übergetreten. Sie wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und hinterließ in Dieburg ihren Mann und zwei Kinder.

Friedel Heumann geb. Fuchs (1908-1988), dritte Tochter von Friederike Fuchs, verließ bereits 1929 Darmstadt und emigrierte nach mehreren Zwischenstationen 1933 nach  Holland. Dort heiratete sie 1941 Erich Heumann. Beide wurden 1942 vom Lager Westerbork aus nach Auschwitz deportiert, wo Erich Heumann, der nach einer Beinamputation schwer behindert war, unmittelbar nach der Ankunft ermordet wurde. Friedel Heumann wurde im berüchtigten Block 10 untergebracht und musste medizinische Experimente des SS-Arztes Dr. Mengele erleiden. Sie überlebte den Todesmarsch von Auschwitz in das KZ Ravensbrück, wo sie die Befreiung erlebte. Nach vorübergehendem Aufenthalt in Schweden wanderte Friedel Heumann 1948 nach Israel aus, wo sie 1988 starb.

Max Fuchs, der Sohn von Friederike Fuchs, konnte 1935 von Darmstadt zu seiner Schwester Friedel nach Holland fliehen. Sie erreichte für ihn die Erlaubnis zur Auswanderung nach Kolumbien, nachdem ihm für Holland eine Aufenthaltserlaubnis verweigert worden war. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

(Quelle: Bericht von Friedel Heumann, „Auschwitz – Block 10“, in: Das zweite Leben. Darmstädter Juden in der Emigration. Ein Lesebuch. Hrsg. Moritz Neumann/Eva Reinhold-Postina, Darmstadt 1993, S. 189 f. – Ergänzungen aus: Franz, Hrsg., 1984)

Benno Joseph (1885 – 1944)

Benno Joseph stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Darmstadt, hatte sich dort 1912 als Rechtsanwalt niedergelassen und gehörte zu den geachteten Anwälten am Land- und Oberlandesgericht. 1938 wurde ihm die Anwalts-Zulassung entzogen. Als einziger amtlich zugelassener Konsulent für alle jüdischen Rechtsangelegenheiten in den Landgerichtsbezirken Darmstadt und Aschaffenburg beriet und vertrat er die jüdische Gemeinde und versuchte, jüdischen Familien bei den Bemühungen um die Rettung von Vermögenswerten und um Auswanderungserlaubnis zu helfen. Nach dem Novemberpogrom 1938 konnte er seine drei Söhne nach England in Sicherheit bringen, blieb selbst jedoch zusammen mit seiner Frau Margarethe geb. Seckel in Darmstadt, um seinen Schicksalsgenossen weiter beizustehen. Am 10. Februar 1943 wurde das Ehepaar mit den letzten Bewohnern des jüdischen Altersheims in der Eschollbrücker Straße nach Theresienstadt deportiert, wo Benno Joseph im Januar 1944 verstarb, ohne dass die näheren Umstände seines Todes bekannt sind.

Bertha Wurzinger geb. May - 1870-1942

Bertha Wurzinger wurde in der Schustergasse in der Altstadt von Darmstadt geboren, wo ihr Vater Siegmund May ein koscheres Restaurant führte. Nachdem sie jung verwitwet war, lebte sie in dem Haus ihres Bruders Siegfried May in der Riedeselstrasse und stand dort dem Haushalt vor. Sie war hochmusikalisch und liebte Opern, Kaffee und gute Kuchen. Sie kannte die Musik, den Inhalt und den Text jeder Oper und lehrte ihre Nichten, sich für Opern zu begeistern. In 1939 wanderte Siegfried May mit seiner Familie nach England aus. "Tante Bertha" blieb zurück. Sie wurde am 28.September 1942 von Darmstadt nach Theresienstadt abtransportiert. In den öffentlichen Dokumenten des Lagers steht, dass sie dort "eines natürlichen Todes" am 15.November 1942 starb (entnommen: Darmstadt als Deportationsort, siehe Literaturliste: Jüdische Spuren) 

 

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